Über uns

Der Kirchturm der St. Sebastiankirche ist weithin sichtbar, denn die Kirche ist nicht in die Häuserzeile eingebaut wie viele andere Berliner Kirchen, sondern freistehend, mitten auf dem Gartenplatz. Mit rund 2600 Katholiken (Stand Mai 2015) sind wir eine der kleineren katholischen Gemeinden von Berlin, aber mit einer bewegten Geschichte.

Ein kleiner Blick in die Geschichte
Die St. Sebastian Gemeinde

Seit der Eroberung Schlesiens gab es in Preußen und in Berlin auch Katholiken in größerer Zahl. König Friedrich II. ließ daher 1748 in der Scharnhorststraße ein Haus für die Invaliden seiner Armee errichten, in dem sich neben einer lutherischen auch eine katholische Kapelle befand. Diese katholische Kapelle war dem Schutzpatron der Soldaten geweiht, dem Hl. Sebastian.

Betrug die Zahl der Katholiken in dieser Gegend um die Mitte des 19. Jahrhunderts noch 5.000, sollte sie bedingt durch die zunehmende Industrialisierung im Berliner Norden und dem damit verbundenen explosionsartigen Bevölkerungswachstum in den Folgejahren rasch ansteigen. Die größer werdende Zahl der Katholiken sowie die Entfernung zur St.-Hedwig-Gemeinde führten am 08.12.1860 zur Gründung der selbständigen St. Sebastian-Gemeinde. Sie war damit die Zweitälteste katholische Gemeinde des damaligen Berlin (ohne Spandau).

Mit Beginn der 70-er Jahre des 19. Jahrhunderts setzte ein weiterer Schub der Industrialisierung der Berliner Vorstadt ein, der nicht nur große Fabrikgebäude, sondern auch Massenquartiere für die Arbeiter entstehen ließ. Die Ackerstraße mit ihren Mietskasernen und lichtlosen Hinterhöfen sei hier als eines der bekanntesten „berühmt-berüchtigten“ Elendsquartiere genannt. Die auch heute noch mancherorts zu hörende Bezeichnung vom „Arbeiterbezirk Wedding“ ist auf diese Arbeiterquartiere, die dem Bezirk lange Zeit seine Prägung gaben, zurückzuführen.

Als die Kapelle im Invalidenhaus für die schnell anwachsende Gemeinde zu klein wurde, erreichte der zweite Pfarrer der Gemeinde, Carl Neuber, gegen die Zusicherung, einen repräsentativen Bau zu errichten, der dem Wedding „zur Zierde“ gereichen sollte, die „Überlassung des nötigen Teils des Gartenplatzes für den Kirchbau“. Die Kirche entstand 1890 – 1893. Der Gartenplatz war der ehemals vor den Toren der Stadt gelegene Hinrichtungsplatz, an dem zuletzt 1837 die Witwe Meyer gerädert wurde, weil sie sich selbst zur Witwe gemacht hatte…

Um die Jahrhundertwende war die Gemeinde inzwischen auf 50.000 Mitglieder angewachsen und damit die größte katholische Gemeinde Berlins.

Diese große Zahl von Gläubigen führte in den folgenden Jahren zur Gründung von Tochtergemeinden: St. Paulus (1895), St. Petrus (1908), St. Joseph (1911), St. Aloysius (1921), St. Robert (1930), St. Adalbert (1935).

1943 wurde die Kirche schwer zerstört, aber rasch nach dem Krieg wieder aufgebaut. Sie diente in der Kriegs- und Nachkriegszeit als Ersatzkathedrale für die zerstörte St. Hedwigskathedrale. Der sel. Bernhard Lichtenberg und zwei Bischöfe wurden von hier zu Grabe getragen und zwei Bischöfe inthronisiert
Besonders stark wirkte sich der Mauerbau am 13.08.1961 auf die Gemeinde und ihr kirchliches Leben aus. Da die Kirche unmittelbar an der Mauer stand, lagen nun einige Teile der Gemeinde im Ostteil der Stadt.

Hatte der Mauerbau die Gemeinde schon erheblich verkleinert, nahm die Zahl der Mitglieder Ende der 60-er Anfang der 70-er Jahre durch die umfangreichen Sanierungsmaßnahmen im Wedding erheblich ab. Erst in den 80-er Jahren, nach Fertigstellung der Neubaugebiete um die Brunnenstraße zogen wieder mehr Menschen in das Gemeindegebiet und mit ihnen auch mehr Katholiken.
Seit 2005 ist auch die Kroatische Katholische Mission in der St. Sebastian-Kirche beheimatet. Mit ihr zogen auch drei kroatische Franziskanerpatres in das Pfarrhaus ein, deren Leiter (seit 2014: Pater Frano Čugura) gleichzeitig der Pfarrer von St. Sebastian ist.

Die Gemeinde heute

Als Gemeinde sind wir nicht nur für uns selber da. Wir bezeugen die Wirklichkeit Gottes durch unsere Gottesdienste und Gebete in einem weithin nicht christlichen Umfeld. Die Zusammenarbeit vor allem mit den benachbarten evangelischen Gemeinden ist uns dabei wichtig. Gerade in einer Großstadt wie Berlin ist es spürbar, dass es neben den christlichen Kirchen andere Sichtweisen auf die Welt und auf den Menschen, andere Antworten auf die Grundfragen des Lebens nach Sinn und Zukunft gibt. Als Gemeinde erleben wir diese Veränderungen.

Aber auch innerhalb der Kirche stehen wir vor Veränderungen. Unsere Gemeinde macht sich ab Herbst 2015 mit vier Nachbargemeinden und mehreren muttersprachlichen Gemeinden auf den Weg der Entwicklung eines pastoralen Raumes. Dabei begegnen wir auch Ängsten und Unsicherheiten bei den Gläubigen in der Gemeinde. Wir brauchen einen langen Atem, der uns für den vor uns liegenden Weg die nötige Kraft gibt und uns unvoreingenommen die Herausforderungen und unsere eigenen Möglichkeiten erkennen lässt.

Wichtig ist dabei, zwei Dinge zu unterscheiden: Gemeinde ist nicht in erster Linie Institution und Apparat, sondern in eine Gemeinschaft von vielen Menschen mit unterschiedlichen Begabungen. Gemeinde ist Versammlungsort des Volkes Gottes. Von Gottes Wort leben wir und mit seiner Hilfe versuchen wir, jeder mit seinen Möglichkeiten, Gemeinde zu sein und gleichzeitig „an die Ränder zu gehen“, wie es Papst Franziskus formuliert hat. Anders ausgedrückt: In Gott verwurzelt sein und sich – biblisch gesprochen – dem Hunger der Menschen zuwenden, das markiert die Grundrichtung, in die wir als Kirche, Gemeinde oder größere Seelsorgeeinheit aufbrechen sollten.